Standfest seit 650 Jahren

Der Turm der Nikomedeskirche wurde vor 650 Jahren gebaut. Damals, im 14. Jahrhundert, ließ der Herrenberger Graf Konrad I. "der Scheerer" den Turm und wahrscheinlich auch die wehrhafte Ummauerung des Friedhofs aufrichten, um den östlichen Rand seines Herrschaftsgebiets abzusichern.

 

Damit ist der Turm deutlich jünger als das romanische Kirchenschiff. Sein Untergeschoss trägt ein gotisches Kreuzrippengewölbe, das mit den vier Evangelistensymbolen Engel, Löwe, Stier und Adler geschmückt ist. Als Dach trug er anfangs vermutlich eine Aussichtsplattform. Erst 1450 wurden dann die Fachwerkgeschosse auf den Steinsockel des Turms gesetzt. Sie trotzen also schon fast 570 Jahre Wind und Wetter.

 

In Kriegszeiten saß auf dem Turm ein Türmer, der mit einer Sturmglocke im Brandfall oder bei Feindesgefahr Alarm schlagen musste. Für die Einwohner von Hildrizhausen war der Turm der letzte Zufluchtsort, in dem sie sich vor feindlichen Soldaten verschanzen konnten.

 

Die letzte umfassende Fachwerkrenovierung erlebte der Turm 1772. Schon damals gab es eine Kirchenuhr. 1810 wurde ein neues Uhrwerk vom Herrenberger Schmied Johann Friedrich Andler geschaffen, das vor einigen Jahren restauriert wurde.

 

In der Glockenstube tun vier Glocken von 1806, 1950 und 1960 ihren Dienst. Die älteste Glocke läutet auch nach 200 Jahren noch bei jeder Taufe in der Nikomedeskirche.