Kirchenführung Nikomedeskirche

Hildrizhausen, Pfarrkirche, Grundriss

1. Der romanische Rundbogen des Südportals, der heutige Haupteingang, wurde im Mittelalter aus der Westfassade entfernt und auf der Südseite der Kirche eingefügt. Dahinter wurde eine gotische Spitzbogenpforte eingesetzt. Norbert Malek gestaltete 1970 das Türblatt mit dem in Kupfer getriebenen Relief der Auferstehung Christi.
2.
Der Nikomedesstein, ein romanisches Tympanon, ist heute der Türsturz über dem Eingang zum Grufthäusle, dem früheren Beinhaus.
3.
Ursprünglich war das Hauptportal an der Westseite. Als man im Spätmittelalter den Kirchhof zu einer Wehranlage ausbaute, wurde das Hauptportal mit dem romanischen Rundbogen auf die Südseite verlegt (siehe 1). Das Tympanon vom ursprünglichen Hauptportal wurde als Türsturz an das Grufthäusle gesetzt. Der zugemauerte Rundbogen des romanischen Westportals liegt heute so gut, wie nicht erkennbar unter dem Putz der Westfassade verborgen.
4.
Bartholomäus Eyselin (1613 bis 1622 Pfarrer in Hildrizhausen) erwähnt in seinem Chronicon patriae Hildrizhusanae et Herrenbergicae eine Hofkapelle an der Nordseite der jetzigen Kirche. Der weit herausragende Mauerabschlussstein in Höhe der Traufe könnte ein Bindeglied zwischen dieser frühen Kirche und der südlich daran anschließenden romanischen Nikomedeskirche gewesen sein. Die frühere Kirche wurde als nördliches Seitenschiff in die neue romanische Stiftskirche eingebunden. 1627 wurde dieses Seitenschiff abgerissen. Die Untermauerung des Abschlusssteins wurde aus Sicherheitsgründen im 20. Jahrhundert vorgenommen.
5.
  An der Nordwand der jetzigen Kirche kann man am vierten Pfeiler in den zunehmend schräg verlaufenden Fugen den Ansatz eines Schwibbogens erkennen, der den Eingang zum Chor der früheren Kirche gebildet haben könnte.
6. Ein Traufstein
an der Nordwest-Ecke der Sakristei zeugt vom Verlauf der Nordmauer dieses älteren Kirchenteils. Er gleicht in seiner Form den romanischen Traufsteinen am südlichen Seitenschiff.
7. Der spätgotische Chor
wurde 1515 von Jakob Haltmayer errichtet und überragt deutlich mit den hohen, schlanken Fenstern und Strebepfeilern den romanischen Bauteil der Nikomedeskirche.
8.
Die Inschrift auf dem Mörderstein erinnert mit den Worten Jeder denk bei diesem Stein, der Kamerad kann dein Mörder sein an einen jungen Hildrizhausemer, der 1804 von einem Kameraden erstochen wurde.
9. Der Turm
könnte nach den Angaben von Eyselin Teil der 1165 zerstörten Pfalzgrafenburg sein. Die gotische Turmkapelle (siehe 10.) verweist ihn aber eher ins 14. Jahrhundert.
10.
  In der Turmkapelle (Zugang vom südlichen Seitenschiff) sind im gotischen Kreuzrippengewölbe Fresken aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Sie zeigen die Symbole der vier Evangelisten: Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes). In der Mitte auf dem Schlussstein ist Christus als das Lamm Gottes dargestellt. In einem vergitterten Sakraments-Häuschen in der Ostwand steht ein Keramikgefäß aus der Zeit um 1150, das bei Ausgrabungen im Hauptschiff der Kirche geborgen wurde. Daneben steht an der Ostwand eine beschädigte Grabplatte, auf der in grober Technik ein Abendmahlskelch eingemeißelt ist, was auf die Priesterwürde des Verstorbenen hinweist. Die Platte wurde 1970 bei Grabungen im Altar-Bereich der romanischen Nikomedeskirche gefunden.
Ein romanischer Ornamentstein mit einem Radrelief ist in die Ostwand der Turmkapelle eingemauert. Er zeigt eine kreuzförmige Blattrosette, die von neun Kreisen mit kleinen Kreuzen eingerahmt wird. Der Stein war vermutlich ein Teil der Chorschranke.
11.
Unter dem gotischen Triumphbogen steht der Besucher auf der Nahtstelle zwischen der romanischen, ehemals dreischiffigen Pfeilerbasilika und dem 1515 angebauten gotischen Chor (siehe 7.). Die zwei Bögen am westlichen Ende des romanischen Langhauses trugen einmal die Patronats-Loge der Kirchengründer. Heute befindet sich dort die hölzerne Empore.
12. Die Schlusssteine des Netzrippen-Gewölbes
im spätgotischen Chor von 1515 zeigen (von Osten nach Westen):
Maria mit dem Jesuskind;das Wappen des Herzogtums Württemberg;
den Kirchenheiligen Nikomedes mit einer mehrschlingigen Geißel;
das Wappen Herzog Ulrichs und seiner Gemahlin, Sabina von Bayern;
den heiligen Blasius mit Kerze (es gab einen Blasius-Altar mit Kaplanei) und
das Wappenschild der Pfalzgrafen von Tübingen.
13. Das spätgotische Chorgestühl
stammt aus der Werkstatt Heinrich Schickhardts des Älteren aus Herrenberg und wurde 1529 vollendet. Darüber, hoch an der Südwand des gotischen Chores, hat Pfarrer Eyselin vor seinem Weggang die bittere Inschrift anbringen lassen, die mit einem Cicero-Zitat schließt: Patria est, ubicunque bene est. (Heimat ist überall da, wo es gut ist).
14.
An der Nordseite des gotischen Chores stehen drei Grabplatten: Magister Johann Borth, gestorben 1588, war erster evang. Pfarrer in Hildrizhausen;
daneben der Grabstein seiner Tochter Constantina und der ihres Gatten, des Pfarrers Johann Marquardt, 1596-1613 im Amt.
15. Die spätbarocke Orgel
mit ihrem schönen Prospekt wurde 1781 von Johannes Weinmar aus Bondorf gebaut und 1967 und 2004 renoviert und erweitert.
16. Der romanische Taufstein
ist aus einem Stück Sandstein gehauen. Er könnte so gearbeitet worden sein, wie man in der hiesigen Gegend Mühlsteine herstellte (siehe Beispiele im Museum in Dettenhausen).
17. Das spätgotische Kruzifix
aus dem 16. Jahrhundert hängt heute an der Wand links neben der Kanzel. Ursprünglich hing es wohl im gotischen Chorbogen.
18. Die Kanzel
wurde 1900 von der Baseler Familie Hebdenstreit, genannt La Roche, zu Ehren ihres Stammvaters gestiftet, der im 16. Jahrhundert von Hildrizhausen nach Basel auswanderte.
19. Die vier Glocken
von 1960, 1950, 1950 und 1806, sind auf die Töne fis', a', ho und d" gestimmt. Auf der h-Glocke steht das Psalmwort Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, daneben als Sinnbild ein lobender Engel.

Eine Bildergalerie der Nikomedeskirche finden Sie hier: