Die Glocken der Nikomedeskirche in Hildrizhausen

Wenn alle vier Hausemer Glocken läuten, geben sie die Freude des Glaubens wieder.

Bedeutung - Die wichtigste Aufgabe der Glocken ist, zum Gebet zu rufen. Deshalb läutet die größte Glocke, die Betglocke, jeden Tag zum persönlichen Morgengebet (6 Uhr), zum Mittagsgebet (12 Uhr) und zum Abendgebet (18 Uhr). Sie schwingt auch, wenn im Gottesdienst das Vaterunser gesprochen wird, damit die zuhause Gebliebenen in das gemeinsame Gebet einstimmen können. - Besonders, wenn jemand getauft wird oder gestorben ist, läutet eine Glocke und will die Hörenden zum Beten führen. Täglich erinnern sie die Glaubenden an die Finsternis an Jesu Todestag (11 Uhr) und an seine Todesstunde (15 Uhr).

 

Außerdem laden die Glocken ein, in das Lob Gottes einzustimmen.  So läuten sie vereint zu Beginn jedes Gottesdienstes und am Samstag um 18 Uhr, um den Sonntag einzuläuten.

Früher hatten die Glocken auch die Aufgabe, vor Gefahr zu warnen. Dafür werden sie heute aber nicht mehr gebraucht. Seiner Hauptaufgabe gemäß hat das Hausemer Geläut die Töne fis, a, h und d. Das ist der Beginn der Melodie des „Te Deum“, des großen Lobgesangs der Kirche („Herr, Gott, dich loben wir“). Dieses Lied finden Sie unter der Nummer 191 im Evangelischen Gesangbuch.

Geschichte
Seit wann in dem um 1368 erbauten Kirchturm Glocken läuten, ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass die Funktion als Stiftskirche sich auch in einem ansprechenden Geläut niederschlug. Auch die Aufgabe des Kirchturms als Wachturm lässt auf eine Alarmglocke schließen. Die erste schriftliche Erwähnung einer Glocke stammt aus der Chronik von Pfarrer Eiselin (um 1619), in der er erzählt, dass auf dem Weg nach Rohrau eine Johanneskapelle mit einem Glöckchen gestanden habe. Beim Abriss der Kapelle – wohl nach der Reformation – habe man das Glöckchen in den Kirchturm gehängt. Zu Eiselins Zeiten war die Glocke noch vorhanden, heute ist sie es leider nicht mehr.

1709 wurde eine neue Glocke in den Kirchturm gehängt. 1800 und 1806 kamen jeweils eine weitere Glocke dazu, sicherlich als Ersatz für abgängige alte Glocken. So waren im Jahr 1825 drei Glocken im Turm.

Am Dreieinigkeitsfest 1916 zersprang die Glocke von 1709 beim Läuten vor dem Gottesdienst. Die Gemeinde ließ an deren Stelle eine neue Glocke gießen. In den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts mussten die Kirchengemeinden nach militärischer Einschätzung „überflüssige“ Glocken abgeben, damit diese eingeschmolzen und Rüstungsgüter daraus gegossen werden konnten. So musste die Kirchengemeinde Hildrizhausen im Ersten Weltkrieg ihre Glocken von 1800 und 1806 abgeben. Nach dem Krieg kam letztere wieder zurück, die andere war verloren. Als Ersatz für die verlorene Glocke ließ die Gemeinde 1923 eine neue gießen. Im Zweiten Weltkrieg musste die Gemeinde eben diese Glocke und diejenige aus dem Jahr 1916 wieder abgeben. Allein die kleine Glocke von 1806 durfte sie behalten.

So war nach dem 2. Weltkrieg nur diese eine Glocke vorhanden.
1950 schaffte man zwei neue Glocken an, bis man 1960 das Geläut um eine vierte Glocke komplettierte.

Die heutigen Glocken
Die älteste Glocke im Kirchturm ist die kleinste. Im Jahr 1806 hat der Ludwigsburger Glockengießer Christian Gottlieb Neubert diese Glocke für Hildrizhausen gegossen. Neubert gehörte zu einer Glockengießerfamilie des Rokoko in Württemberg. Von ihm sind Glocken von 1791 bis 1826 erhalten. Die Glocke im Hausemer Turm trägt ein Fries aus Blütenranken und die Inschrift „Gegossen von C. G. Neubert in Ludwigsburg anno 1806. Damals war Herr M. Schüz Pfarrer, Herr I.F. Brodbeck Schultheiß, Herr G.F. Mack Burgmeister (!), Herr I.G. Lindenmeyer Heiligenpfleger“ (= Kirchenpfleger). Das kleinste Glöckchen läutet immer bei einer Taufe. Sie schlägt das hohe „d“ an.

Vom Glockengießer Kurtz aus Stuttgart stammen die beiden nächstgrößeren Glocken aus dem Jahr 1950. Die Glocke mit dem Ton „h“ schmückt das Psalmwort  „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.“ Auf ihr ist ein Engel beim Lobgesang abgebildet. Diese Glocke schlägt die Zeit zur vollen Stunde.

Die Glocke mit dem Ton „a“ wiegt fast eine halbe Tonne und hat 92 cm Durchmesser. Ihre Inschrift ist ein Bittgebet aus dem Lied „Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ“: „In dieser letzten, bösen Zeit gib uns des Glaubens Beständigkeit“ (Sie finden dieses Lied im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 246). Eichenlaub ziert die Glocke. Ihre Inschrift passt zu ihrer Aufgabe: Als „Kreuzglocke“ oder „Schiedglocke“ läutet sie um 12:15 Uhr, wenn jemand gestorben ist, und jeden Tag zur Todesstunde Jesu (15:00).

Die größte Glocke stammt aus dem Jahr 1960. Sie wiegt immerhin fast 800 kg und schlägt den Ton „fis“ an. Sie hat die Aufgabe, als „Betglocke“ zum Gebet zu rufen. Das macht sie jeden Tag um 6 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr. Auch ihre Inschrift ist ein Gebet: „Verleih uns Frieden gnädiglich“.