Die Nikomedeskirche Hildrizhausen

Die Nilomedeskirche in Hildrizhausen wurde Ende des 11. Jahrhunderts als romanische Basilika erbaut.

Die Nikomedeskirche ist in der Winterzeit geschlossen. Ab Ende März finden dort wieder Gottesdienste statt (bis dahin im Gemeindehaus). Dann ist die Kirche wieder mit wenigen Ausnahmen an jedem Sonntag geöffnet und kann besucht werden. Weitere Auskünfte bekommen Sie gerne beim Evangelischen Pfarramt.

 

Die heutige Kirche ist als dreischiffige romanische Basilika
wohl am Ende des 11. Jahrhunderts erbaut worden. Sie wurde etwa zur gleichen Zeit wie die Sindelfinger Stiftskirche St. Martin errichtet. Das nördliche Seitenschiff ist heute nicht mehr erhalten. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Turm angebaut.

Ursprünglich ein Chorherrenstift - Die Geistlichen des Chorherrenstifts waren für die Gottesdienste an der Kirche verantwortlich und kamen zu Stundengebeten zusammen. Sicherlich hatten manche von ihnen auch seelsorgerliche Aufgaben in den umliegenden Gemeinden. Das Chorherrenstift von Hildrizhausen wurde 1439 dem Stift Herrenberg eingegliedert. Geistliche wirkten hier aber nach wie vor.
Die Reformation beendete aber wenige Jahre später das Stiftsleben.

 

1515 wurde der spätgotische Chor für sie von Jakob Haltmayer angebaut. 1529 bekamen sie ein Chorgestühl, das heute noch im Chor erhalten ist.

Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder ausgebessert und das nördliche Seitenschiff abgerissen. Ihr eigentümliches Erscheinungsbild mit dem schlichten romanischen Kirchenschiff, dem wuchtigen Turm und dem hohen gotischen Chor blieb im Wesentlichen aber unverändert.

Nikomedesstein - mit ältester Inschrift im Landkreis Böblingen - Die Kirche birgt die älteste Inschrift des Landkreises Böblingen. Sie findet sich in einem Bogenfeld (Tympanon) über der Außentür an der südöstlichen Ecke der Kirche und stammt aus der Zeit vor 1200. In der Inschrift wird der Kirchenheilige Nikomedes genannt. Der Historiker Roman Janssen vermutet, dass die Vorgängerkirche in Hildrizhausen im 8. Jahrhundert zu ihrem Namenspatron Nikomedes gekommen ist. Nikomedes wird als Märtyrer aus dem 1. Jahrhundert in Rom angesehen.

Der Chor - Im Chor finden sich sechs Schlusssteine im gotischen Netzrippengewölbe. Der dritte Stein vom Fenster aus gezählt zeigt den Kirchenheiligen Nikomedes mit einer Geisel. An der Nordwand stehen drei Grabplatten aus der Zeit um 1600. Die rechte ist die des ersten evangelischen Pfarrers am Ort. Die spätbarocke Orgel wurde 1781 gebaut. Das Chorgestühl stammt von 1529. Über dem Chorgestühl an der Nordwand steht die so genannte „bittere Inschrift“, in der Hausemer Pfarrer Eiselin die Auseinandersetzungen beklagt, die ihn 1622 bewogen haben, den Ort zu verlassen.

Der Turm - Die Decke der Turmkapelle ist mit den Symbolen der vier Evangelisten ausgemalt (Engel, Löwe, Stier und Adler). In der vergitterten Wandnische steht ein Gefäß aus der Zeit um 1150, dessen Scherben bei einer Ausgrabung im Kirchenschiff gefunden wurden. Daneben ist eine Steinplatte mit einem Radrelief in die Wand eingelassen, das wohl von einer Chorschranke oder einem alten Altar stammt. Weiter findet sich in diesem Raum eine alte Grabplatte vom Grab eines Geistlichen, der vor dem Altar begraben wurde. Die Platte trägt einen Kelch als Symbol. Der Taufstein von 1900 ist nicht mehr in Gebrauch, stattdessen steht im Kirchenschiff der ursprüngliche romanische Taufstein. Oben im Turm ist ein Uhrwerk des Uhrmachers Johann Friedrich Andler aus Herrenberg von 1810 erhalten. Vier Glocken von 1806, 1950, 1950 und 1960 tun ihren Dienst.

Der alte Friedhof um die Kirche wurde 2007 zu einer Parkanlage umgestaltet. In ihr findet sich ein von Guillermo de Lucca gestalteter Engelsflügel und ein Mahnmal, das Nikolaus Fischer aus einer rund 90 Jahre alten Fichte gefertigt hat.

Interessieren Sie sich für...
die verschwundene Inschrift des Nikomedessteins, - die Erwähnung des „göttlichen Luthers“ auf den Grabplatten - die Hintergründe der bitteren Inschrift oder - die Bedeutung des rätselhaften Radreliefs?
Auf der Seite Kirchenführung bekommen Sie einen tieferen Eindruck von unserer Kirche.

Zum Gottesdienst am Sonntag, um 10.00 Uhr, sind Sie herzlich eingeladen!